Autor: Josep Castelló.
Auszug aus einem Kapitel des im Verlag Pagès Editors erschienenen Buchs Costa Brava Autèntica.
Die Costa Brava war Quelle der Inspiration für unvergessliche musikalische Werke und sah Musiker weithin anerkannten Rufs wie etwa Juli Garreta das Licht der Welt erblicken. Andererseits ist dieser Küstenabschnitt aber auch zur Bühne für zahllose musikalische Veranstaltungen geworden, wobei an erster Stelle an das Musikfestival von S’Agaró zu erinnern wäre, das Josep Ensesa als Besitzer des Hostal de la Gavina in den siebziger Jahren ins Leben rief.
Später, in Zeiten der in Spanien neu aufkommenden Demokratie, kam es den Sommer über in zahlreichen Küstenorten zu den verschiedensten Musikzyklen, die – wie etwa das Musikfestival von Calonge oder die Schubertiade in Vilabertran – im Wesentlichen auf klassische Musik ausgerichtet waren. Mit einem wesentlich weiter gefassten Programm warteten demgegenüber das Musikfestival Castell de Peralada, das Internationale Musikfestival Porta Ferrada in Sant Feliu de Guíxols (die wohl älteste Veranstaltung dieser Art), das Musikfestival von Jardins de Cap Roig (in Calella de Palafrugell / Mont-ras), das Musikfestival von Torroella de Montgrí und das Internationale Musikfestival von Cadaqués auf (letzteres mit einem eigenen Symphonieorchester). Es wäre müßig, hier wirklich alle bestehenden Veranstaltungen dieser Art aufzählen zu wollen (eine vollständige Auflistung kann über das Tourismusportal des Patronats abgerufen werden), den größten Publikumszulauf unter all den an der Küste stattfindenden Festivals aber hat ohne jeden Zweifel das traditionelle Habaneras-Konzert in Calella de Palafrugell, bei dem Jahr für Jahr durchschnittlich 30.000 Zuschauer und Zuhörer zu verzeichnen sind.
Zwei musikalische Gruppierungen tragen unmittelbar den Namen der Costa Brava: das Sardana-Orchester der Cobla-Orquestra Internacional Costa Brava aus Palafrugell und die in Zaragoza ansässige Pop-Gruppe La Costa Brava.
Opera
„Levantinische Küsten, Strände von Lloret ...“, heißt es in einer populär gewordenen Arie aus der Oper Marina. Der erste Akt beginnt im Morgengrauen am Strand von Lloret de Mar. Beim Gesang der Fischer wartet Marina auf die Rückkehr von Jorge, einem jungen Schiffskapitän, in den sie heimlich verliebt ist und der ihre Liebe unausgesprochen erwidert.
Ursprünglich war Marina eine Zarzuela in zwei Akten, geschrieben von einem gewissen Francesc Camprodon aus Ripoll, der alljährlich in Blanes zur Sommerfrische weilte und daraus in seinem Libretto den Ort Lloret machte. Als Operette kam das Stück am 21. September 1855 in Madrid zur Uraufführung, fand seitens der Kritik damals allerdings keine besonders gute Aufnahme. Im Auftrag des Tenors Enrico Tamberlick schrieb der Komponist Emilio Arrieta das Werk in gewisser Anlehnung an Donizetti dann in eine dreiaktige Oper um und fügte drei Duette und ein neues Finale hinzu. Da Camprodon damals bereits verstorben war, übertrug Arrieta Miguel Ramos Carrión die Durchsicht des Librettos, wobei letzterer die Arbeit seines Vorgängers allerdings weitgehend respektierte
Als Oper wurde Marina schließlich am 16. März 1871 mit Tamberlick in der Hauptrolle im Teatro Real (dem damaligen Gran Teatro Nacional de la Ópera) uraufgeführt und konnte einen ansehnlichen Erfolg verzeichnen, sodass das Werk sofort auch von ausländischen Bühnen ins Programm aufgenommen wurde.
Symphonische Dichtung
Juli Garreta (Sant Feliu de Guíxols, 1875-1925) widmete den Medes-Inseln ein symphonisches Werk. Seine erste musikalische Ausbildung erhielt Garreta durch seinen Vater und den ebenfalls aus Sant Feliu stammenden Pianisten Ramon Novi. Von Beruf Uhrmacher, schuf er als musikalischer Autodidakt an die hundert Sardanas sowie eine stattliche Anzahl größerer Werke, von denen einige in der Vergangenheit aufgrund ihrer damaligen Modernität sehr diskutiert wurden. Garreta gewann etliche musikalische Wettbewerbe und zog die Bewunderung von international so bekannten Figuren wie Pau Casals und Igor Strawinsky auf sich. Bei einem Sardana-Konzert, bei dem Strawinsky 1924 zum ersten Mal Garretas Sardana Juny hörte, soll der russische Komponist übrigens laut ins Orchester gerufen haben: „Mehr Garreta, bitte, meine Herren, mehr Garreta ...“
Habaneras
Im Zweivierteltakt landeten die Habaneras an unserer Küste im Gefolge der so genannten Indians, die samt ihrem in Amerika erworbenen Reichtum in ihre einstige Heimat zurückkehrten, und wenig später dann auch mit den spanischen Soldaten, die im Kuba-Krieg Haut und Kragen riskiert hatten. Aufgrund des historischen Rahmens waren damals fast alle alten Habaneras aus dem 19. Jahrhundert in spanischer Sprache abgefasst und besangen die Sehnsucht nach den so geliebten Mulattinnen und der voller Wehmut zurückgelassenen Insel. Eine der bekanntesten Habaneras, die 1928 von Frederic Sirés geschriebene La gavina (ursprünglich La gaviota), entstand so aus einem persönlichen Erlebnis ihres Autors heraus, der Kuba damals einen Besuch abgestattet hatte. Ende der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts, als die Habaneras in Katalonien wieder in Mode kamen, tauchten neue Lieder auf, die dann bereits von den Landschaften der Costa Brava inspiriert waren.
Im Jahr 1968 komponierte Josep Lluís Ortega Monasterio am Klavier im Restaurant El Xivarri in Palamós die Habanera El meu avi. Ortega, der eigentlich gar keine musikalische, sondern vielmehr eine militärische Laufbahn hinter sich hatte, ließ sich hierbei zum einen von den Erlebnissen seines Großvaters mütterlicherseits inspirieren, der auf dem (auch unter der Bezeichnung El Catalán bekannten) Schiff Montserrat in den Kuba-Krieg geschickt worden war, griff zum anderen aber auch eine Geschichte des aus Calella stammenden Großvaters seines Gastgebers, des Restaurantbesitzers Pitu Vergonyós, auf, und so entstand ein alles umwerfender Wehmutscocktail, bei dem am Ende als Apotheose auch noch der patriotische Ausruf „Visca Catalunya, visca el Català“ (Es lebe Katalonien, es lebe El Catalán) erschallen darf. Offiziell aus der Taufe gehoben wurde das Lied von der Gesangsgruppe Els Barrufets im Jahr 1971 beim damaligen Konzert in Calella de Palafrugell, und die im ganzen Land bekannten Gruppen Alba aus La Bisbal und Els Pescadors de l’Escala aus L’Escala nahmen es sofort auch auf Platte auf. Heute ist El meu avi in den verschiedensten Fassungen auf dem Markt erhältlich.
Ein anderer unvergessener Komponist ist der aus La Bisbal gebürtige Ramon Carreras, der sich nach seinem erfolgreichen Llop de mar wieder mit einer Hommage an einen traumhaft schönen Strand der Costa Brava hervortat: Cala Montgó („Cala Montgó, voller Frieden und Licht, Cala Montgó, voller Frieden und Duft, Ort voller Zauber, Cala Montgó, ein Stück Paradies“). Gleiches gilt für Josep Bastons, einen der Gründer der Gesangsgruppe Peix Fregit, der in Zusammenarbeit mit der Dichterin Narcisa Oliver mit seinem Mariner de terra endins einen riesigen Erfolg verzeichnen und diesen dann wenig später mit dem romantischen Tamariu („Wenn in Tamariu die Sonne aufgeht, leuchtet sie in allen Farben der Iris; die Möwe verlässt ihr Nest und die Mimose öffnet ihre Blüten“) wiederholen konnte. Einen ganz anderen Weg ging Carles Casanovas als Mitglied der Gesangsgruppe Port-Bo; er legte seiner Habanera Al pirata Joan Torrellas die Schauergeschichten um einen Mittelmeer-Korsaren aus dem 16. Jahrhundert zugrunde.
Darüber hinaus erschienen auch zahlreiche Aufnahmen, die sich zwar nicht konkret auf einen bestimmten geografischen Punkt dieses Landstrichs beziehen, die den Begriff Costa Brava aber als Kennzeichen auf dem Cover verwendeten. Als Beispiel sei eine 1962 von der Plattenfirma Zafiro mit einem „Conjunto Típico de la Costa Brava“ herausgebrachte Single erwähnt, die in Wirklichkeit von Musikern des Orchesters Maravella unter der Leitung von Lluís Ferrer und mit der Solostimme des Noi de Palafrugell Lluís Heras aufgenommen worden war. Fünf Jahre später erschien eine weitere 45er Platte mit zwei Habaneras des in Sant Feliu de Guíxols geborenen großen Tenors Francisco Granés, bei der an der Gestaltung des Covers kein geringerer als Josep Pla beteiligt war. Beide Platten wurden übrigens unter dem gleichen Titel veröffentlicht: Habaneras de la Costa Brava.
Sardanas
Die Sardana ist ohne jeden Zweifel die Musikgattung, die die meisten im Zusammenhang mit der Costa Brava stehenden Titel hervorgebracht hat. Im Jahr 1908 schrieb der Dichter Joan Maragall einen Text, der sich auf den gesamten Landstrich zwischen den Pyrenäen – symbolisch vertreten durch einen Schäfer aus den Bergen – und der von einer Sirene dargestellten Küste bezog. Enric Morera verfasste hierauf die Musik für diese Zeilen, und so entstand eine Sardana, wie sie typischer nicht sein könnte: L’Empordà.
Der Blick auf La roca del Cargol von einem Pinienwald auf dem Pedró bei L’Escala aus veranlasste Josep Vicens (alias Avi Xaixu) zur Komposition seiner gleichnamigen Sardana. Ähnlich verhielt es sich bei Santiago Bañeras, der vom Casino El Port de Palamós aus seine A Palamós fan pipes schrieb. Ricard Viladesau verwandelte einen abrupten Küstenabschnitt bei Aigua Xelida in ein schwindelerregendes Musikstück, das höchste Ansprüche an seine Interpreten stellt: Sa Roncadora. Mit der für ihn so typischen Schlichtheit begeisterte Vicenç Bou von seinem heimischen Torroella aus mit Stücken wie etwa De Sant Feliu a s’Agaró oder Torroella, vila vella. Und die Liste könnte beliebig lang fortgesetzt werden: Das einmalige Cap de Creus mit seinen vom Wind gepeinigten Felsklippen bezauberte Rafael Cabrisas. Mit dem Rücken zum Meer und mit Blick auf die Ebene des Empordà schrieb Jaume Bonaterra sein Sota el Mas Ventós. Francesc Mas Ros wusste das schöne Tossa – Tossa bonica – wie kein anderer zu beschreiben, und Josep Albertí tat es ihm gleich mit seinem Blanes festiu – Blanes beim Feiern. Die Liste der Sardanas, die in irgendeiner Weise auf einen bestimmten Aspekt der Costa Brava Bezug nehmen, ist schier unendlich.
Ein Sonderfall, der sich nicht einer Landschaft, wohl aber einem meteorologischen Aspekt des hiesigen Landstrichs verschreibt, bietet sich uns mit einem Sardana-Rock-Mix unter dem Titel Tramuntana, den die berühmte Companyia Elèctrica Dharma unter dem Einfluss von Joaquim Serra auf Platte aufnahm.
Walzer
Josep Pujol, Llibori ist der Autor des Seemannswalzers Vell pescador, der im Lauf der Jahre zu einem Klassiker bei allen Hafenkonzerten der hiesigen Küste geworden ist: „Das Meer ist schön, das Meer ist blau, das Meer ist ruhig, das Meer ist rau.“ In einer Zeit, als die Habaneras nichts mehr herzugeben schienen, brachte Llibori neuen Schwung in die Sache und machte sich mit seiner Gruppe Quercus auf zu einer Fahrt über den Ozean des Rocks. Unter dem Titel L’última havanera brachten sie 1993 ein Album heraus, dessen revolutionärer Cover-Hit mit seiner frechen Kombination beider Musikgattungen alle Mythen der Costa Brava in Trümmer schlug und natürlich auch konsequent mit allen Seemannsmützen und quer gestreiften Matrosen-T-Shirts aufräumte. Nach diesem kleinen Erd oder Seebeben kehrte Llibori mit seiner Tochter zurück zur Colla Jacomet von Sant Feliu und sang, als ob nichts geschehen wäre, weiterhin seine bekannten Seemannslieder.
Eine andere Komposition im Walzerrhythmus ist zu einer wahren Gebetshymne aller Fischer an der Costa Brava geworden: L’oració del pescador (Das Gebet des Fischers). Das Werk stammt vom Leiter der Gesangsgruppe Port-Bo Carles Casanovas und wird heute sehr häufig bei religiösen Feiern gespielt. Es erzählt von den Sorgen und der Angst der Fischer und Seeleute und deren Familien, wenn sie die Arbeit bei Sturm und Wind auf das Meer hinaus ruft. Aufgrund seiner großen Emotivität wird dieser Seemannswalzer nicht nur von Habaneras-Gruppen vorgetragen, sondern gehört auch zum Repertoire vieler örtlicher Gesangvereine.
Autorenlieder
Als sich im August 1971 ein junger Liedermacher aus Barcelona im Hotel Can Batlle in Calella de Palafrugell aufhielt, konnte niemand ahnen, dass hier ein großer Hit im Entstehen war. Eigentlich war der junge Mann ja schon öfter hier, zwischen Calella und Begur, an der Costa Brava gewesen. Und wer weiß, vielleicht waren es jene zart violetten Töne, in die die abendliche Sonne die örtlichen Arkaden taucht, oder das sanfte Licht der im Morgengrauen aus dem Meer aufsteigenden Sonne. Joan Manuel Serrat jedenfalls suchte die Inspiration und arbeitete hier wie besessen. Ganz bewusst sei hier von Arbeit gesprochen, denn Serrat selbst hat immer wieder betont, dass Inspiration ohne Arbeit kaum Erfolg haben kann. Auf diese Weise entstand ein musikalisches Juwel, das nach und nach Geschichte machte. Zuerst sollte das Lied Amo al mar (Ich liebe das Meer) heißen, dann Hijo del Mediterráneo (Kind des Mittelmeers). Am Ende aber entschloss Serrat sich kurz und bündig für Mediterráneo – Mittelmeer.
Eines der bekanntesten Lieder von Lluís Llach ist Vinyes verdes vora el mar, mit dem Llach ein Gedicht von Josep Maria de Sagarra vertonte. Der Text stammt aus dem 1923 veröffentlichten Gedichtband Cançons de rem i de vela, bei dem sich Sagarra ganz von der Landschaft um El Port de la Selva inspirieren ließ.
Wenige Jahre später erhob sich eine Stimme in einer anderen unvergleichlich schönen Gegend unserer Küste, eine Stimme, die sich der Verteidigung der Aiguamolls de l’Empordà, eines damals schwer bedrohten Naturbereichs verschrieben hatte. Dieses in den Gemeindegebieten von Castelló d’Empúries und Sant Pere Pescador gelegene Feuchtgebiet war ausgesuchtes Ziel rücksichtsloser Spekulanten geworden, die den unseligen Schatten der Wolkenkratzer von Empuriabrava noch weiter ins Land ausbreiten wollten.
Ausgangspunkt war ein von Maria Àngels Anglada geschriebenes Gedicht, mit dem die Dichterin sich rückhaltlos für den Schutz dieses einmaligen Geländes einsetzte. Erinnern wir uns, dass sie aus ihrer Liebe zu dieser Gegend heraus bereits den hier handelnden Roman Les closes geschrieben hatte, für den ihr 1978 der Josep-Pla-Literaturpreis zugesprochen wurde. Zur Vervollständigung des von ihr begonnenen Werks wurde hierauf der musikalische Teil dem aus L’Escala stammenden Liedermacher Josep Tero anvertraut. Ergebnis der Zusammenarbeit war Aiguamolls, ein Lied, das dann unter dem Cover Raval auf Platte erschien.
Über seine ganze Karriere hin hat sich Josep Tero immer heimatverbundenen Themen zugewandt; man denke diesbezüglich nur an Pirene, das seinem Geburtsort und der Erinnerung an seinen Vater gewidmete Quan dic l’Escala oder Cançó de la sal – Das Lied vom Salz –, ein Produkt von vitaler Bedeutung, das in der Vergangenheit für L’Escala ein Element des Überlebens war und das heute jahraus, jahrein im Mittelpunkt eines am örtlichen Strand gefeierten Fests steht.
Und wenn hier schon von Heimatverbundenheit die Rede ist, dann darf der aus Sant Feliu de Guíxols stammende Liedermacher Josep Andújar, Sé nicht vergessen werden. Mit seinen emotionsgeladenen Texten legt der auf Tavernengesang spezialisierte Künstler bei allen Liedern seiner bislang vier Platten sein Herz offen. Mögen es nun kleine Walzer, Habaneras oder auch der eine oder andere Pasodoble sein ... das Meer und die Liebe gehen bei ihm fast immer Arm in Arm. Von der traurigen Geschichte eines jungen Mädchens, das bei der Kurve bei Les Planetes einem Unfall zum Opfer fällt (La noia cega) über eine Hommage an seinen Vater Pare Joan bis hin zu einer eingehenden Beschreibung der örtlichen Festa major ist die Stadt Sant Feliu bei ihm immer präsent. Und sollte Sé eines Tags seine Heimat verlassen müssen, dann weiß er schon, was er in seinen Koffer zu packen hat: „Ein Koffer voller Erinnerungen mit dem Aroma der Costa Brava, falls mich irgendwann die Sehnsucht packt, und ein Foto meiner Mutter“ (Me’n vaig a l’Havana).
Pasodobles
Bei einem Gedankenaustausch, zu dem es 1968 auf der Suche nach geeigneten Mitteln zur touristischen Vermarktung der Costa Brava zwischen dem damaligen Zivilgouverneur der Provinz Girona und dem Vertreter des spanischen Ministeriums für Information und Tourismus kam, hatte Enrique Sabater, der langjährige Privatsekretär von Salvador Dalí, die Idee, ein Musikstück, sozusagen als mitreißende Hymne dieses Küstenabschnitts, schreiben zu lassen. Sein Vorschlag fand Beifall, und der damals noch mit seinen Carios auftretende Harfenist Digno García erhielt umgehend den entsprechenden Kompositionsauftrag: „Unter einer wunderschönen Sonne, im dichten Grün eines Pinienhains, liegt leuchtend und verlockend die unvergleichliche Costa Brava. Sonne und Meer, grüne Pinien. Katalanische Costa Brava.“
Im Zuge dieser Linie der kommerziellen Sommer-Hits ist darüber hinaus auch an Lleó Segarra zu erinnern, der 1969 eine Langspielplatte mit dem Titel Vacaciones en la Costa Brava herausbrachte.
Ebenfalls noch in den sechziger Jahren tauchte kurioserweise aus Frankreich ein von Les Compagnons de la Chanson gesungener Pasodoble auf. Er hieß schlicht und einfach La Costa Brava – mit Text und Musik von Françoise Dorin und Charles Aznavour!
Ein Sonderfall ist Esteban de Balt (Esteban Baltrons). Dieser aus Blanes stammende Sänger und Besitzer des Nachtlokals Los Tarantos brachte 1989 eine Platte unter dem Titel Bienvenidos en la Costa Brava heraus.
Rock
Ein anderer junger Mann, der wohl auch eine große Enttäuschung hinter sich hat und der nun versucht, sein Missgeschick auf eine mehr als fragliche Art und Weise zu vergessen, steht im Mittelpunkt eines Songs, mit dem die aus Girona stammende Rock-Gruppe Sopa de Cabra 1989 einen Riesenerfolg ernten konnte. Es handelte sich um L’Empordà, und die Story ging um die Leiden des jungen Siset, einem zwischen Blanes und Cadaqués geborenen und „von der Tramuntana total verrückt gemachten“ Typs, der sich aufgrund seiner Trinkerei immer wieder das Leben nehmen will.
Für andere wiederum war es ein wahres Privileg, am Ufer des Mittelmeers zu leben, und so brachten sie es auch in einer Komposition zum Ausdruck. Gemeint ist die Rock-Gruppe Los Rebeldes, die 1988 mit Mediterráneo einen beachtlichen Sommer-Hit landen konnte: „Von L’Escala bis nach Platja de Sant Joan, in Cadaqués, in Sitges, Strand der Freiheit, sind wir die Auserwählten in Gottes Tempel ... Mittelmeer, Route der Wärme, Mittelmeer, Tempel der Sonne.“
Im Zusammenhang mit dem so genannten Independent Rock ist an eine amerikanische Gruppe zu erinnern – Ted Leo and The Pharmacists –, die nach ihrem Auftritt beim Festival von Sant Feliu de Guíxols und später dann beim Primavera Sound in Barcelona als Zeichen ihres Danks für die so positive Aufnahme den Song La Costa Brava in ein Doppelalbum mit dem Titel Living with the Living aufnahmen.
Chill-out und New Age
Da Chill-out und New Age oft schwer zu trennen sind, nehmen wir hier die beiden Trends zusammen, um ganz allgemein eine melodische Linie zu definieren, die fast stets instrumental oder allenfalls noch von erdentrückten Stimmen vorgetragen wird und den Hörer mit Anklängen an das Reich der Natur in Sphären der Harmonie und des inneren Friedens transportiert.
Unter Bezugnahme auf das 1998 erschienene Album Hidrogen. Espais naturals de Catalunya (nach einem gleichnamigen Programm des katalanischen Fernsehsenders Canal 33) soll hier an erster Stelle an das Thema Cap de Creus erinnert werden, zu dem der aus Arbúcies stammende David Salvans die Musik schrieb.
Ebenfalls im Jahr 1998 brachte die englische Gruppe Acoustic Alchemy ihr Album Positive Thinking heraus, das gleichfalls ein Cadaqués gewidmetes Thema enthält. Die von Nick Webb und Greg Carmichael ins Leben gerufene Formation hat sich bei ihren Arbeiten immer einer klar erkennbaren Kombination von Acoustic Jazz und New Age verschrieben.
Und von Cadaqués aus könnten wir jetzt, dem Nordwind der Tramuntana trotzend, bis zum Hafen von Roses segeln, um dort auf eine elegante, raumfüllende Chill-out-Produktion zu stoßen. Northern Wind ist der Titel der ersten Arbeit des Duos Almadrava. Patricia Leidig und Pedro Toro als Autoren des Albums begannen damals ein vielversprechendes musikalisches Abenteuer, dem sie den Namen einer der schönsten Badebuchten im Umkreis um Roses gegeben haben: Almadrava, die Cala de Canyelles Grosses.
Der Begleittext des Albums nimmt Bezug auf ein persönliches Erlebnis der beiden, schildert, wie sie mit ausgestreckten Armen und im Wind flatterndem Hemd auf dem Weg hinauf nach Sant Pere de Roda standen, und stellt fest, dass „der Nordwind, die Tramuntana, zu einem Gefühl wird, das bei allen Kompositionen der Gruppe stets unmittelbar präsent ist“.
Ohne diese wie eine Mondsichel ausgebildete Bucht von Roses zu verlassen, machen wir einen kurzen Abstecher nach Sant Martí d’Empúries und besuchen dort Joan Malé. Unter seinem Künstlernamen Monoceros experimentiert dieser Musiker mit Lauten und Geräuschen, die er unmittelbar dort aufnimmt, wo die Umgebung ihn entsprechend motiviert. Der Regen, der bei seinem The Rain Song zu hören ist, wurde direkt bei ihm zu Hause mitgeschnitten, und Escape from Gravity, das die Sehnsucht des Menschen nach freiem Flug illustriert, beginnt mit Vogelstimmen und dem Geräusch eines zur Landung auf dem Flugplatz von Empuriabrava ansetzenden Kleinflugzeugs.
In Richtung Baix Empordà kommen wir nach Palafrugell und entdecken eine 2001 erschienene Arbeit, die uns vor Augen führt, was herauskommt, wenn man eine CD ganz spezifisch aus der eigenen Heimatverbundenheit heraus zusammenstellt. Der Musiker Xavier Juanals eröffnet uns, versetzt mit eigenen und sehr persönlichen Erlebnissen, das ganze tiefinnere Wesen der Landschaft des Empordà. In seinem Torres de defensa geht er den Erinnerungen an die Überfälle einstiger Seeräuber nach, vermittelt uns in Curculla das Gefühl des Alleinseins unter Wasser, und wenn wir Una tarda a la platja de Castell hören, träumen wir mit ihm, ein wenig nostalgisch und verloren, von einem Nachmittag am Strand, so wie ihn uns dieses ruhige, besonnene Album nahe legt.
Und schließlich sei hier auch noch an eine von weit her kommende Gruppe erinnert, die sich in einer ihrer Produktionen unserer Heimat verschrieben hat. Es handelt sich um die Kanadier Béla Fleck & The Flecktones. Béla Fleck, ein echter Virtuose auf dem Banjo, hat im Laufe seiner Karriere mit so großen Interpreten wie Chick Corea oder Stanley Clark gespielt und eine Unzahl von Preisen eingeheimst, Grammys inbegriffen.
Jazz
Auf einer Single-Platte haben Jimmy Rena und sein Trio den Titel In a Little Spanish Town (Mabel Wayne-Lewis-Young) eingespielt. Der Song ist als Hommage an Calella de Palafrugell zu verstehen, wo Rena über Jahre hinweg das Jazz-Lokal La Guitarra besaß, in dem viele Interpreten, darunter auch die später so berühmt gewordene Locomotora Negra, unvergessliche Auftritte hatten.
Rumba
Los Manolos, die bereits mit ihren Rumba-Versionen von El meu avi und Amigos para siempre die größten Erfolge erzielt hatten, brachten mit ihrem Hace tanta calor einen neuen Titel heraus, mit dem sie in ihrer ausgelassenen Art, aber durchaus nicht unkritisch, die Verschmutzung etlicher Strandabschnitte im Umkreis um Barcelona an den Pranger stellten: „Am Strand von El Prat kann ich nicht mehr baden; ich gehe nach Begur, da weht eine blaue Flagge.“
Flamenco Jazz
Auch der Latin Flamenco Jazz kann mit einem der Costa Brava gewidmeten Titel aufwarten. Das Stück heißt schlicht und einfach Costa Brava und wurde von Armik, einem im Iran geborenen armenischen Künstler, in dessen Album Rosas del amor aufgenommen.

